Nach Malta auswandern? Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Wer träumt nicht davon, auf einer Mittelmeerinsel zu leben und zu arbeiten?
Morgens Laptop aufklappen, tagsüber arbeiten – vielleicht im Marketing, im iGaming-Bereich und zusätzlich mit einem Nebenprojekt wie SEO. Und abends einfach ans Meer gehen.
Gerade Malta ist unter Expats sehr beliebt. Die Insel hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort für die iGaming-Branche entwickelt. Viele internationale Firmen sitzen dort, und entsprechend viele junge Expats aus ganz Europa ziehen dorthin. Die Amtssprache ist Englisch – ein weiterer großer Vorteil im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern.
Auch ich war mehrmals auf Malta. Die Insel hat mich fasziniert. Trotzdem habe ich mich letztendlich gegen ein Leben dort entschieden. Hier sind meine persönlichen Gründe.
Malta ist sehr klein
Malta wirkt auf der Karte vielleicht größer, als es tatsächlich ist. Die Hauptinsel ist nur etwa 27 km lang und 14 km breit.
Ein Funfact, den man öfter hört:
Viele Einheimische empfinden es schon fast als kleine Weltreise, einmal quer über die Insel zu fahren – etwa von Süden nach Norden. Das passiert tatsächlich gar nicht so häufig. Das klingt zuerst seltsam, ist aber eigentlich logisch.
Das Meer ist überall nah. Viele Menschen bewegen sich einfach hauptsächlich in ihrer eigenen Gegend.

Es gibt allerdings nur sehr wenige Sandstrände, und diese befinden sich überwiegend im Westen beim touristischen Saint Paul’s Bay und auf Gozo wie der Golden Bay. Ansonsten herrschen Steinstrände und Steilküste vor. Diese haben ebenfalls ihren Reiz, doch wer endlose Sandstrände erwartet, wird sicher enttäuscht sein.
Sehr bekannt ist die Blaue Lagune auf Comino – doch die ist im Sommer so überfüllt, dass der Zugang mittlerweile begrenzt wurde.
Für manche ist genau das der Reiz. Für andere wird es irgendwann etwas monoton. Wenn man länger dort lebt, merkt man relativ schnell: Die Insel ist eben überschaubar. Grundsätzlich hat Malta eine reiche Kultur und kulturell einiges zu bieten – aber das ist natürlich nicht vergleichbar mit Berlin oder München. Es gibt faszinierende Sehenswürdigkeiten:
- Valletta, die kleinste europäische Hauptstadt mit historischen Schätzen wie die komplett vergoldete St. John’s Co-Cathedral und die schönen Gärten (die Hauptstadt ist tatsächlich überwiegend unbewohnt, die Menschen leben in Sliema und anderen Orten – auch wenn alles aussieht wie ein einziger Moloch)
- Faszinierende Steinzeittempel wie Mnajdra und Hagar Qim, der Tempel von Tarxien und das nahegelegene Hypogäum Hal Saflieni – ein unterirdischer Grabtempel mit strengen Zugangsregeln (nur 60 Besucher pro Tag!)
- Blue Hole und Inland Sea auf Gozo
Der Verkehr ist ein großes Problem
Ein großer Nachteil für mich war ganz klar der Verkehr. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es zwar.
Doch diese sind gerade zu den Berufszeiten oft unzuverlässig und überfüllt.
Deshalb fahren sehr viele Menschen mit dem Auto – und das sorgt für massive Staus. Besonders rund um Sliema, St. Julian’s oder Valletta sind die Straßen häufig komplett verstopft. Verkehr gilt generell als eines der größten Infrastrukturprobleme der Insel. Es ist keine Seltenheit, dass man für wenige Kilometer sehr lange braucht. Wenn man jeden Tag pendeln muss, kann das schnell ziemlich stressig werden.
Im Sommer ist die Insel extrem voll
Malta ist ein sehr beliebtes Urlaubsziel. Das merkt man besonders im Sommer.
Im Juli und August teilen sich die Bewohner die Insel mit sehr vielen Touristen. Strände, Restaurants und Straßen sind dann oft überfüllt. Dazu kommt die Hitze. Der Hochsommer kann auf Malta sehr heiß und schwül werden. Der September dagegen ist deutlich angenehmer. Das Meer ist warm, aber die größten Touristenmassen sind meist schon wieder verschwunden. Im Winter hingegen kann es unangenehm kalt sein. Bei alten Häusern sind die Wände dann teilweise von Schimmel bedeckt – nein, danke.

So günstig ist Malta gar nicht
Viele denken: Insel im Mittelmeer = günstiges Leben. Ganz so einfach ist es nicht. Gerade in beliebten Expats-Gegenden wie Sliema oder St. Julian’s sind die Mieten stark gestiegen.
Beispiele für typische Kosten:
Miete
- kleine Wohnung: etwa 950 € pro Monat
- größere Wohnungen: ab etwa 1.400 € oder mehr
Restaurants
- günstiges Restaurant: etwa 15–20 € pro Person
- Drei-Gänge-Menü für zwei Personen: etwa 80 €
Lebensmittel
- Milch: etwa 1,16 € pro Liter
- Eier (12 Stück): etwa 3,28 €
- Hähnchenfilet (1 kg): etwa 8–9 €
Viele Güter müssen importiert werden, weil Malta eine kleine Insel ist – das wirkt sich auf die Preise aus. Ein realistisches Budget für eine Einzelperson liegt heute bei etwa 1600–2000 € netto im Monat, um dort stabil leben zu können.
Steuern und Versicherung – kurz erklärt
Malta ist besonders wegen seiner Steuersysteme für Unternehmen bekannt. Für Arbeitnehmer gilt ein progressives Einkommensteuersystem (ähnlich wie in vielen EU-Ländern). Viele Expats arbeiten in internationalen Firmen, vor allem in:
- iGaming
- Online-Marketing
- IT
- Kundenservice / Callcenter
Innerhalb der EU ist der Umzug relativ unkompliziert: Als EU-Bürger kann man sich relativ einfach anmelden und in das maltesische Sozialversicherungssystem wechseln. Viele Expats schließen zusätzlich private Krankenversicherungen ab, besonders wenn sie als Selbständige oder Freelancer arbeiten.
Was andere Expats kritisieren
Wenn man sich Erfahrungsberichte von Expats anschaut, tauchen dazu folgende Kritikpunkte immer wieder auf:
- Verkehr und Infrastrukturprobleme
- hohe Mieten
- Überfüllung durch Tourismus
- die begrenzte Größe der Insel
- Viel Bürokratie bei Behördengängen
Auch steigende Lebenshaltungskosten bei gleichzeitig moderaten Gehältern werden häufig erwähnt. Natürlich gibt es genauso viele Menschen, die Malta lieben und dauerhaft dort bleiben.
Nicht vergessen sollte man außerdem, dass Malta – ähnlich wie Süditalien – stark unter der Mafia und unter Korruption leidet.
Mein persönliches Fazit
Malta hat viele Vorteile:
- Sonne fast das ganze Jahr
- Meer vor der Haustür
- internationale Community
- viele Jobs im Online- und Tech-Bereich
Für Menschen, die gerne dort leben, wo andere Urlaub machen, kann Malta wirklich ideal sein. Im Frühling und im September zum Beispiel ist die Insel wunderschön. Aber für mich persönlich überwiegen die Nachteile:
- sehr viel Verkehr
- im Sommer extrem voll
- relativ hohe Lebenshaltungskosten
- und vor allem: die Insel ist einfach sehr klein
Man hat vieles relativ schnell gesehen. Deshalb habe ich mich letztendlich dagegen entschieden.
Meine persönliche Erfahrung:
Für Urlaub: absolut empfehlenswert (außer im Hochsommer).
Zum Auswandern: für mich eher nein danke.
Aber vielleicht siehst du das ganz anders. Warst du schon einmal länger auf Malta – oder hast du selbst darüber nachgedacht auszuwandern?