Die größten Risiken in ERP Projekten

Die größten Risiken in ERP Projekten

Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) gelten als Rückgrat moderner Unternehmen. Sie sollen Prozesse bündeln, Daten zentralisieren und Transparenz schaffen. Entsprechend positiv fällt häufig auch die Darstellung im Vertrieb aus: ERP-Systeme erscheinen dort als effiziente Komplettlösungen, die Abläufe vereinfachen und Wachstum ermöglichen.

Tatsächlich können ERP-Systeme enorme Vorteile bringen. Gleichzeitig zeigen Studien und Erfahrungsberichte aus der Praxis, dass ERP-Einführungen zu den komplexesten IT-Projekten überhaupt gehören. Viele Projekte verlaufen deutlich schwieriger, teurer oder länger als ursprünglich geplant. Einige Aspekte werden im Vertrieb daher häufig weniger deutlich dargestellt, als sie sich später im Projektalltag zeigen.

Hohe Risiken bei ERP-Projekten

Zahlreiche Studien zeigen, dass ERP-Einführungen ein erhebliches Projektrisiko haben. Laut einer häufig zitierten Analyse von Gartner erreichen viele ERP-Implementierungen ihre ursprünglichen Ziele nicht vollständig. In einer Zusammenfassung heißt es:

“More than 70% of recently implemented ERP initiatives will fail to fully meet their original business case goals.”
Quelle: Gartner Research

Auch andere Auswertungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine Analyse, die Gartner-Daten zusammenfasst, spricht davon, dass

“55% to 75% of ERP projects fail to meet their objectives.”
Quelle: Gartner / RAND Group Analyse

Dabei bedeutet „Scheitern“ nicht zwangsläufig, dass ein System komplett aufgegeben wird. Häufiger bedeutet es, dass wichtige Ziele nicht erreicht werden: Prozesse funktionieren nicht wie geplant, Kosten steigen deutlich oder Mitarbeiter nutzen das System nur teilweise.

Budgetüberschreitungen sind keine Seltenheit

Ein weiterer Punkt, der im Vertrieb oft optimistisch dargestellt wird, sind die tatsächlichen Projektkosten. Während Angebote häufig klare Budgetrahmen nennen, zeigen Studien, dass ERP-Einführungen häufig deutlich teurer werden.

Eine Analyse von ERP-Implementierungen stellt fest:

“Average cost overruns of 189% across industries.”
Quelle: Panorama Consulting Group, ERP-Studie

In bestimmten Branchen können die Abweichungen sogar noch höher liegen. Für Produktionsunternehmen wurden beispielsweise durchschnittliche Kostenüberschreitungen von über 200 % festgestellt.

Der Grund dafür liegt häufig darin, dass viele Kosten erst im Projektverlauf entstehen. Dazu gehören etwa individuelle Anpassungen, zusätzliche Schnittstellen, Datenmigration oder zusätzliche Beratungstage.

Lange Einführungszeiten

Auch bei der Projektdauer werden ERP-Einführungen im Vertrieb häufig optimistisch dargestellt. Studien zeigen jedoch, dass solche Projekte oft wesentlich länger dauern als erwartet.

Eine Analyse zur ERP-Implementierung beschreibt typische Zeiträume so:

“Implementation of ERP can take anywhere between 6 months and 2 years.”
Quelle: Third Stage Consulting

Bei größeren Unternehmen oder komplexen Strukturen kann die Einführung sogar noch länger dauern. Besonders aufwendig sind dabei häufig die Anpassung bestehender Prozesse sowie die Integration älterer Systeme.

Komplexität der Datenmigration

Ein kritischer Punkt vieler ERP-Projekte ist die Migration bestehender Daten aus Altsystemen. Unternehmen verfügen häufig über jahrelang gewachsene Datenbestände, die in unterschiedliche Systeme verteilt sind.

Studien zu IT-Migrationen zeigen, wie anspruchsvoll dieser Schritt sein kann. In einer Analyse wird festgehalten:

“83% of data migration projects fail, exceed budgets, or take longer than planned.”
Quelle: Bloor Research / Gartner

Gerade bei ERP-Einführungen ist dieser Schritt besonders kritisch, da sämtliche Unternehmensprozesse auf diesen Daten aufbauen. Fehler oder Inkonsistenzen können sich daher unmittelbar auf operative Abläufe auswirken.

Probleme entstehen oft im Projekt selbst

Ein wichtiger Punkt wird in Studien immer wieder betont: Viele Probleme bei ERP-Einführungen liegen nicht ausschließlich an der Software selbst.

Ein Bericht über ERP-Implementierungen formuliert es so:

“Most of these failures are due to problems with the teams – not the ERP software.”
Quelle: Pemeco Consulting

Zu den häufigsten Ursachen gehören unter anderem unklare Projektziele, mangelnde Abstimmung zwischen Fachabteilungen, unrealistische Zeitpläne oder fehlende Schulungen der Mitarbeiter.

ERP-Einführungen sind daher weniger reine Softwareinstallationen als vielmehr umfassende Transformationsprojekte. Häufig müssen Prozesse neu definiert, Arbeitsweisen verändert und Organisationsstrukturen angepasst werden.

Fazit

ERP-Systeme können für Unternehmen einen großen Mehrwert schaffen, etwa durch bessere Prozesssteuerung, zentrale Datenhaltung oder höhere Transparenz in Geschäftsabläufen. Gleichzeitig zeigen Studien deutlich, dass ERP-Einführungen zu den anspruchsvollsten IT-Projekten im Unternehmensumfeld gehören.

Viele Risiken ergeben sich weniger aus der Software selbst als aus der Komplexität der Einführung: lange Projektlaufzeiten, umfangreiche Anpassungen, aufwendige Datenmigration und organisatorische Veränderungen.

Wer ein ERP-System einführt, sollte daher nicht nur auf Funktionsumfang und Lizenzkosten achten, sondern vor allem auf realistische Projektplanung, ausreichende Ressourcen und ein strukturiertes Change-Management. Gerade diese Faktoren entscheiden häufig darüber, ob ein ERP-Projekt langfristig erfolgreich wird.

Rundum-Schlag