Orthorexia nervosa bezeichnet ein Verhalten, bei dem die Betroffenen das ausgeprägte Verlangen verspüren, sich möglichst gesund zu ernähren, sodass die Beschäftigung mit Lebensmitteln zum Lebensmittelpunkt wird. Die psychosomatische Störung wird international nicht als Krankheit anerkannt. Dennoch wird das Verhalten als Krankheitsbild in der populärwissenschaftlichen Literatur und in der Fachliteratur diskutiert.

Die Symptome der Orthorexia nervosa

Die Betroffenen nehmen hauptsächlich vegane Rohkost zu sich – beispielsweise rohes Gemüse, Obst, Sprossen oder Getreidekörner. Der Mediziner Steven Bratman, der den Begriff der Orthorexia nervosa prägte, litt selbst teilweise an der Essstörung. Es gibt jedoch nur wenige medizinische Informationen über die Essstörung – dies liegt hauptsächlich an der Definition. So gaben manche wissenschaftliche Untersuchungen an, dass jeder Zweite betroffen wäre. Das Problem ist die Abgrenzung, wann es sich um gesunde Ernährung, Diät und Essstörung handelt. Ist schon derjenige betroffen, der zeitweise hauptsächlich von Obst und Gemüse lebt, um ein paar Kilo abzuspecken? Wie lange muss dieser Zeitraum dauern, damit von einer Essstörung gesprochen werden kann – und beginnt die Essstörung erst, wenn der Betroffene untergewichtig ist?

Die Diagnose der Orthorexia nervosa

Für die Psychiaterin Martina de Zwaagen von der Medizinischen Hochschule Europa kann man von einer Störung sprechen, wenn die Patienten Mangelerscheinungen aufweisen, sich zurückziehen und Kontakte meiden und sich die Gedanken ausschließlich um gesunde Ernährung dreht – also letztendlich ähnliche Kriterien wie bei Magersucht und Anorexie. Es besteht wohl auch ein Zusammenhang zwischen der Störung und Kenntnissen über gesunde Ernährung – so leiden nach einer Studie in Österreich besonders viele Diätassistentinnen an der Essstörung.

Über die Ursachen der Essstörung ist bisher noch nicht so viel bekannt. Teilweise scheint die Ursache darin zu bestehen, ein höheres Allgemeinbefinden des Körpers herbeizuführen oder chronische Krankheiten zu lindern. Ein weiterer Grund, der dazu beitragen kann, sind auch die Lebensmittelskandale um Gifte und Medikamente in Nahrungsmitteln. Wie bei allen psychosomatischen Erkrankungen sind die Ursachen der Orthorexia nervosa mit Sicherheit vielgestaltig und können mit einer ganzen Reihe von Faktoren wie dem familiären Umfeld, Ängsten und fehlendem Selbstwertgefühl zusammenhängen.

Nach einer Studie von Düsseldorfer Psychologen sind etwa 2-3 % aller Befragten betroffen – etwa die gleiche Größenordnung wie bei Anorexia nervosa und Bulimie. Grundsätzlich fehlen jedoch Daten, die beispielsweise zu Magersucht und Bulimie vorliegen. So wird es sicherlich noch dauern, bis die Orthorexia nervosa bekannter wird.

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Orthorexia nervosa

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