Wer Selbstverteidigung lernen möchte, muss sich auch mit dem Notwehrrecht näher befassen. Denn natürlich darf ich nun nicht wahllos fremde Männer (und Frauen) zusammenschlagemn, nur weil sie mir nicht in den Kram passen. Welche Krav Maga Techniken darf ich also gemäß Notwehrrecht wie einsetzen?

Krav Maga Notwehr Szenarien

Notwehr-Szenario 1 – beim Joggen

Stellt euch folgendes Szenarien vor: Ich jogge nachts allein durch den Park. Ein Mann kommt mir entgegen, mustert mich. Ich fühle mich belästigt, laufe auf ihn zu und beginne, auf ihn einzuschlagen und zu treten.

Notwehr-Szenario 2 – in der Bar

Ich befinde mich in einer Bar und warte auf meinen Freund. Ein Betrunkener kommt auf mich zu, greift nach meiner Hand, belästigt mich. Ich steche ihm meine Daumen in die Augen.

Notwehr vs. Körperverletzung

Ihr könnt euch sicher vorstellen: Mein Handeln in diesen beiden Szenarien ist nicht verhältnismäßig, sondern geht in Richtung Körperverletzung. Beim Joggen bestand keine akute Notwehr. Vielleicht wäre der Typ auch einfach vorbeigelaufen, ohne etwas zu sagen.
In der Bar hätte ich den Betrunkenen nicht gleich in die Augen stechen müssen – den empfindlichsten Angriffspunkt im Gesicht. Als letzte Mittel ist das in Ordnung, nicht aber in einer Bar, in der ich andere Leute um Hilfe hätte bitten können – oder mir den Betrunkenen mit einfachem Wegstoßen oder auch einem Stich zum Hals, einem Tritt in den Unterleib oder einem Schlag auf die Nase vom Leibe hätte halten können. Wenn ich unverhältnismäßig handle und meinen Gegner schwer verletze, ist das mit dem Notwehrrecht nicht zu vereinbaren – im schlimmsten Fall erhalte ich eine Verurteilung wegen Körperverletzung. Die Gerichte haben hier Interpretationsspielraum.

Szenario 3 – Angriff in der Tiefgarage

Anders sieht es aus, wenn ich mich allein in einer Tiefgarage befindet und ein Mann fest entschlossen und schnell auf mich zukommt. Wenn er auf meine Aufforderung, wegzubleiben, nicht reagiert, darf ich alle Mittel einsetzen, die ich habe. Das ist dann auch verhältnismäßig. Denn wenn ich abwarte, ob er wirklich mich angreifen will, ist es vielleicht schon zu spät. Wenn er mich schlägt oder zu Boden wirft, hat sich meine Situation drastisch verschlechtert.

Generell dürfen sich Frauen früher und heftiger zur Wehr setzen als Männer. Und selbst, wenn keine akute Notfallsituation vorlag, sich frau aber bedroht gefühlt hat, reicht das vor Gericht oft aus, ohne gleich wegen Körperverletzung verklagt zu werden. Wenn frau wirklich überfallen wird, ist es allerdings auch unwahrscheinlich, dass der Angreifer vor Gericht geht und einen Prozess anstrengt.

Häusliche Gewalt / Gewalt im Bekanntenkreis

80 Prozent aller Übergriffe auf Frauen werden von Personen verübt, die die Frau kennt. Dabei kann es sich um flüchtige Bekanntschaften, aber auch Partner, Freunde oder Kollegen handeln. Teilweise ist es bei häuslichen Übergriffen schwierieger, eine Notwehrsituation nachzuweisen. Hier kann es sinnvoll sein, sich direkt nach dem Übergriff juristischen Beistand zu besorgen, der die Aussagen bei der Polizei oder vor Gericht tätigt. Denn wer im Streit wilde Beschimpfungen oder Drohungen ausstößt, kann von einem guten Anwalt des Gegners förmlich zerlegt werden.

Notwehrrecht & Selbstverteidigung – Fazit

Im Zweifelsfall ist es für Frauen angebracht, lieber etwas zu hart zu reagieren als in eine Situation zu geraten, aus der sie sich nicht mehr befreien können. Dies wird von den Gerichten in der Regel berücksichtigt – vor allem dann, wenn der Angreifer der Frau körperlich deutlich überlegen ist. Krav Maga oder eine andere Selbstverteidigungstechnik zu lernen ist aber kein Freibrief für unnötige Gewalt. Prinzipiell gilt: die Flucht zu ergreifen oder Hilfe zu organisieren kann ein besserer Weg sein, als den Gegner zusammenzuschlagen.
Notwehrrecht: Verhältnismäßigkeit

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